Teilhabe „zum Angreifen“ – Nachlese zum SI-plus-Nachmittag bei der ESF+ Jahrestagung 2026

Zuseher:innen schauen auf eine Bühne bei der ESF+ Jahrestagung.

Unter dem Motto Gemeinsam weiterdenken – Teilhabe als Schlüssel zur Wirksamkeit versammelten sich am 24. März 2026 zahlreiche Vertreter:innen aus Projekten, Verwaltung, Sozialpartnerschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft in der HausWirtschaft Wien. Ziel der Jahrestagung war es, gemeinsam zu erkunden, wie Teilhabe gelingen kann – und was sie in der Praxis wirklich wirksam macht.

Während am Vormittag Inputs, Diskussion und Austauschformate den Rahmen setzten, wurde am Nachmittag Teilhabe buchstäblich erfahrbar: Im Rahmen von SI plus konnten Teilnehmende drei partizipative Innovationsmethoden nicht nur kennenlernen, sondern direkt ausprobieren.

Nach der Mittagspause holte die Moderation die Gruppe wieder ab und startete mit Aufstellungen im Raum, um ein Stimmungsbild zur Zusammensetzung der Teilnehmenden zu gewinnen – etwa „woher seid ihr heute angereist“ und Vorerfahrung mit partizipativen Methoden.

Anschließend verteilte sich die Gruppe auf drei parallele Methodensessionsm, in denen gemeinsam partizipative Methoden ausprobiert und erlernt werden konnten.

Methode 1: Gemeinsam Entscheiden im Konsent – verbindlich, ohne „Überstimmen“

In der Session „Konsent entscheiden“ stiegen die Teilnehmenden nach einem kurzen Theorie-Input in die Praxis ein: Was ist ein schwerwiegender Einwand? Wie funktioniert Kreismoderation? Und wie bleibt eine Gruppe entscheidungsfähig, ohne dass einzelne Stimmen überrollt werden?

In einem Rollenspiel erlebten Teilnehmende den Konsentprozess als konkrete Entscheidungssituation: Fünf Personen übernahmen vorbereitete Rollen (z. B. Teamleitung oder HR) und entschieden gemeinsam, wie ein (fiktives) Active-Ageing-Projekt im „Unternehmen“ umgesetzt werden könnte.
Die Entscheidungsfindung folgte klaren Schritten – von Vorschlag/Information über Bildformung und Meinungsrunden bis zum Konsent (inkl. Möglichkeit, Schritte zu wiederholen).

In der Reflexion wurde besonders die klare Struktur positiv hervorgehoben – gleichzeitig aber auch als herausfordernd beschrieben, etwa die Trennung von „Information/Vorschlag“ und „Meinung“.
Diskutiert wurden außerdem Grenzen der Methode, z. B. wenn Kooperation im Team nicht gegeben ist – und zugleich mögliche Einsatzfelder im Arbeitsalltag.

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Methode 2: Gallery Walk & Ausstellung – kreativ Perspektiven öffnen

Die Session „Gallery Walk & Ausstellung“ setzte auf einen bewusst niederschwelligen, kreativen Zugang. Teilnehmende näherten sich der Frage, wie benachteiligte und vulnerable Zielgruppen im ESF+ besser eingebunden werden können – und zwar in einer Vernissage, in der alle zugleich Künstler:innen und Besucher:innen waren.

In Kleingruppen entstanden aus verschiedenen Materialien „Kunstwerke“ rund um Zielgruppeneinbindung; Zielgruppen waren dafür vorab vorbereitet (z. B. NEETs, trans* Personen, langzeitarbeitslose Personen 50+).
Danach folgte der Gallery Walk: Teilnehmende interpretierten zunächst die Werke anderer Gruppen („fremde“ Kunstwerke), bevor sie die eigenen Gedanken und Intentionen mit der Gesamtgruppe teilten.

In der Reflexion wurden Spaß, Kreativität und der erleichterte Perspektivenwechsel als zentrale Stärken genannt.
Gleichzeitig zeigte sich eine typische Herausforderung kreativer Formate: ein gemeinsames, klares Verständnis der Aufgabenstellung zu entwickeln.Besonders geeignet erschien die Methode, um Zielgruppen „im Kopf zu behalten“ – und eingefahrene Denkmuster zu verlassen.

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Methode 3: Erkundender Spaziergang – Perspektivenwechsel im „Entdeckermodus“

Mit dem erkundenden Spaziergang wechselten Teilnehmende ganz bewusst die Perspektive. Zum Einstieg schärfte die Moderation die Sinne mit kleinen Übungen und Fragestellungen – bis hin zum Riechen an Lavendelsäckchen – und führte die Gruppe so in einen Entdeckermodus.

Im methodischen Kern ging es um einen Perspektivenwechsel in Richtung sehbehinderter Menschen: Die Teilnehmenden probierten seheinschränkende Brillen (zur Simulation verschiedener Augenerkrankungen) und Taststöcke aus und erkundeten damit das Gelände der HausWirtschaft.
Ergänzend gab es einen Input zur Barrierefreiheit am Gelände sowie zu Herausforderungen „an der Grenze“ zwischen gefördertem Bau und Barrierefreiheit.

Als besonders wertvoll wurden genannt:

  • der authentische Perspektivenwechsel,
  • die Sensibilisierung,
  • und die unmittelbare Erfahrbarkeit im realen Raum.

Als Herausforderungen wurden vor allem Vorbereitung, Gruppengröße, Unfallgefahr und die Einbindung von Expert:innen diskutiert. Trotzdem sahen Teilnehmende konkrete Anknüpfungspunkte für den Arbeitsalltag – etwa in der Arbeit mit wohnungslosen Menschen oder in der Projekterarbeitung.

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Gemeinsamer Abschluss: Was bleibt?

Zum Abschluss teilten Teilnehmende aus allen Gruppen kurze Einblicke in ihre Erlebnisse – besonders hervorgehoben wurde die Chance, neue Methoden und Ansätze nicht nur zu hören, sondern selbst zu erleben.
In einem digitalen Abschlussformat sammelten alle ihre Learnings – im Fokus standen vor allem Perspektivenwechsel und neue Erfahrungen rund um Partizipation.

Auch das Gesamtbild der Tagung unterstrich: Teilhabe passiert nicht automatisch – sie braucht Räume, Ressourcen und Vertrauen, damit Menschen ihre Perspektiven einbringen und mitgestalten können.
Der Nachmittag hat dafür eine sehr konkrete Antwort gegeben: Wenn Beteiligung „hands-on“ wird, wird sie leichter anschlussfähig – an Projekte, Organisationen und den eigenen Arbeitsalltag.

Titelbild Copyright: © BMASGPK/Pia Tepass