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Community Based Wealth: Das Preston Modell

Preston ist eine Stadt im Norden Englands, die von der Abwanderung der Industrie seit Mitte des 20. Jahrhunderts und der Austeritätspolitik nach der Wirtschafts- und Finanzkrise besonders stark betroffen war. Im Jahr 2011 schloss das größte Investitionsprojekt der Stadt, ein Einkaufs- und Geschäftszentrum, wegen mangelnder Rentabilität. Die hohen öffentlichen Investitionen in das Projekt hatten sich nicht gelohnt, stattdessen verschlechterte sich die wirtschaftliche und soziale Lage weiter.

Angesichts dieser Entwicklungen begann die lokale Politik mit der Umsetzung von „community based wealth“ in Preston. Idee des Ansatzes ist es, dass öffentliche Gelder möglichst in der Gemeinde bleiben sollen und öffentliche Investitionen dort Renditen bringen, wo sie investiert werden. Die öffentliche Hand lenkt damit den Markt so, dass er sich den Bedürfnissen der lokalen Gesellschaft anpasst.

 

„Community based wealth“ basiert auf folgenden Prinzipien:

  • Gemeinschaftliches Eigentum erlaubt es, ökonomischen Einfluss weg von großen Konzernen und deren Shareholdern wieder zurück zu den Gemeinden und deren Bürger*innen zu verlagern.
  • Finanzierung & Investitionen lokal denken: Investitionen sollen dazu dienen, lokalen Wohlstand zu fördern. Daher sollte der Kreislauf möglichst klein gehalten werden, um die Rendite getätigter Investitionen in der Gemeinde zu behalten.
  • Faire Arbeitsbedingungen und gerechte Arbeitsmärkte: Hier kommt gerade öffentlichen Stellen und großen, regionalen Arbeitgeber*innen eine zentrale Rolle zu. Mit der Verpflichtung, existenzsichernde Mindestlöhne zu zahlen und Aufstiegschancen zu bieten, können sie große Wirkung entfalten.
  • Soziale öffentliche Beschaffung als Hebel: Öffentliche Aufträge haben ein großes Investitionsvolumen und sind dementsprechend ein wichtiger Hebel für die Gestaltung der regionalen Wirtschaft. Mit sozialen und ökologischen Kriterien kann der Staat hier aktiv mitgestalten.
  • Sozial produktive Verwendung von Grund und Boden: Öffentliche Güter bleiben in öffentlichem Besitz und sollen für das Gemeinwohl verwendet werden. Das bildet einen Gegenpol zur Privatisierung öffentlicher Güter in den vergangenen Jahren.

 

Für Preston hat sich dieser Ansatz – der auch ein Stück weit die Abkehr des derzeit vorherrschenden Wirtschaftsmodells darstellt – jedenfalls gelohnt. Seit 2011 wurden mehr als 200 Millionen Pfund in die lokale Wirtschaft reinvestiert, die Arbeitslosenquote ist unter den Landesdurchschnitt abgesunken, der Anteil von trotz Erwerbsarbeit Armen könnte reduziert werden und das Qualifikationsniveau insbesondere der jüngeren Generation hat sich verbessert.

Erste learnings aus dem Ansatz sind, dass Kooperation zwischen unterschiedlichen Akteur*innen, insbesondere einflussreichen Organisationen in der Region und staatlichen Stellen, notwendig ist. Gleichzeitig ist aber „community based wealth“ kontextabhängig und muss für jede Region, jede „community“ neu gedacht, erarbeitet und umgesetzt werden.

> Publikation des Preston City Council: How we built community wealth in Preston

> Aufbereitung des Beispiels durch das Jahoda Bauer Institut

Symbolbild © malcphotolanc / Canva