Partizipativ in die Zukunft: 3 Learnings aus dem Experimentierraum zeit*raum*schaffen in Salzburg

Eine Gruppe arbeitet an einem Tisch gemeinsam.

Anfang Dezember 2025 lud das Projekt zeit*raum*schaffen mit unserer Begleitung zum Konzeptworkshop in das Seniorenwohnhaus Lehen. Vertreter:innen aus Verwaltung, Netzwerkpartner:innen, Projektträger:innen und – ganz wesentlich – Mitglieder der Zielgruppe kamen zusammen, um Bedürfnisse der Zielgruppe sichtbar zu machen und gemeinsam konkrete Schritte für wirksame Projektmaßnahmen zu entwickeln.

Partizipation und Mitgestaltung als Roter Faden

Die Entwicklung des Projekts baut auf einer bereits früh begonnenen partizipativen Vorarbeit auf: Schon 2022 wurde in der Pilotregion Salzburg gemeinsam mit zahlreichen Akteur:innen ausgelotet, was Soziale Innovation in Salzburg braucht. In einem intensiven Prozess – getragen von Personen aus Verwaltung, Zivilgesellschaft, Fachorganisationen und Forschung – wurde damals ein gemeinsames Verständnis Sozialer Innovation erarbeitet und der Boden für neue Projektideen bereitet. Auf Basis dieser Zusammenarbeit entstand schließlich der Call zu Sozialer Innovation in Salzburg, der die Umsetzung von zeit*raum*schaffen möglich machte.

Das Projekt, getragen von Einstieg ins Berufsleben GmbH in Kooperation mit der HOSI Salzburg, richtet sich an junge Erwachsene mit mehrfachen Belastungen – darunter queere Jugendliche, junge Frauen mit Armutserfahrungen, Alleinerziehende oder Personen mit unsicherem Wohnstatus. Der partizipative Ansatz steht im Zentrum: Betroffene gestalten die Lösungen mit, die ihnen Orientierung geben und ein Leben, Lieben und Arbeiten in Salzburg ermöglichen sollen.

Gemeinsamer Blick auf Lücken – und Chancen

Im Experimentierraum wurden zunächst individuelle Erfahrungen geteilt: Wo entstehen Lücken im Alltag der Zielgruppe? In Murmelgruppen und einem anschließenden Clustering wurden acht zentrale Themenfelder sichtbar – von Diskriminierungserfahrungen über fehlende Gesundheitsversorgung bis hin zu Übergangsrisiken und dem Wunsch nach einer verlässlichen „One‑Stop‑Shop”-Anlaufstelle.

Drei Bereiche wurden vertiefend bearbeitet:

1. Anti‑Diskriminierung
Die Teilnehmenden machten deutlich, wie herausfordernd es für Betroffene ist, Unterstützungsangebote zu finden, diskriminierende Situationen einzuordnen oder nachhaltige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig wurde klar: Es braucht stabile Netzwerke, Sensibilisierung, Empowerment und verlässliche Ansprechpersonen, um Barrieren abzubauen. Entscheidend am Weg dahin ist es, die Selbstvertretung zu stärken und strukturelle Beständigkeit über Projektzyklen hinweg sicherzustellen.

2. Onboarding für Betriebe
Ein weiteres Arbeitsfeld widmete sich dem Arbeitsmarkt – konkret der Frage, wie Betriebe für die Vorteile von Diversität sensibilisiert werden können. Informationsdefizite und Vorurteile gelten als zentrale Hürden. Entsprechend wurden Maßnahmen wie sichtbare Best‑Practice‑Beispiele, Role Models aus der Peer‑Gruppe, verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und die Einbindung bestehender Angebote (z. B. AMS‑Services, Netzwerkplattformen) diskutiert. Ziel ist es, Betriebe als aktive Partner zu gewinnen, die jungen Erwachsenen mit Belastungen faire Chancen bieten.

3. Gesunderhaltung
Auch die Gesundheitsversorgung stellt eine bedeutende Herausforderung dar. Fehlende niederschwellige Angebote, lange Wartezeiten in Psychotherapie, mangelnde Barrierefreiheit und der Bedarf an klaren Informationswegen wurden benannt. Als mögliche Maßnahmen wurden u.a. Case‑Management, Wegweiser‑Materialien, enge Kooperationen mit Gesundheitseinrichtungen sowie Formate wie Dialogabende oder Fachtagungen vorgeschlagen.

Ausblick und wie es weiter geht

Die im Workshop erarbeiteten Erkenntnisse fließen nun direkt in die weitere Konzeptentwicklung ein. In den kommenden zwei Jahren werden konkrete Angebote entwickelt, erprobt und fortlaufend gemeinsam mit der Zielgruppe reflektiert. Der regelmäßige Austausch mit Netzwerkpartner:innen bleibt dabei zentral – denn nur im Zusammenwirken unterschiedlicher Perspektiven können nachhaltige Lösungen entstehen.

Wir sind gespannt auf die weitere Reise!

Fotos: © zrs / Einstieg ins Berufsleben GmbH